Kuscheln und Neurobiologie


Neue Forschungsergebnisse in der Neurobiologie

In den letzten Jahren wurden in der Neurobiologie durchschlagende neue Ergebnisse gefunden. Eines der wichtigsten ist, dass sich das menschliche Gehirn Zeit seines Lebens verändern kann. Das heisst, dass sich der Mensch nicht, wie so lange geglaubt, mit seinen frühkindlichen und anderen tiefen Prägungen arrangieren muss, sondern diese nachhaltig verändern kann. Genauso kann er antrainierte Verhaltensmuster, Haltungen und Wertvorstellungen über sich und andere verändern und neues dazu lernen.

Dies passiert, indem sich Menschen neuen Herausforderungen stellen. Immer wenn sie eine solche neue Herausforderung erfolgreich gemeistert haben, kommt es im Gehirn zu einer ganzen Reihe von Veränderungen. „Je häufiger ähnliche Herausforderungen auftreten und auf diese einmal gebahnte Weise gemeistert werden, desto stärker werden die dabei aktivierten Verbindungen gebahnt und gefestigt.“ (Gerald Hüther).

Die Neurowissenschaften zeigen auf, dass Veränderungen am effektivsten möglich sind, wenn dabei möglichst viele Sinneskanäle einbezogen werden. „Verändert werden kann also vor allem, was erlebnismässig aktiviert ist.“ (Alfred Künzler)

 

Neurobiologie und Kuscheln

Ein erster Kuschelabend ist für viele per se schon eine Herausforderung. Zum einen weil Kuschelabende nicht alltäglich sind, zum anderen, weil jede Person mit eigenen Befürchtungen oder gar Ängsten kommt. Die Teilnehmenden sind konfrontiert mit genau den Seiten, die es ihnen auch im Alltag schwierig machen, auf andere Menschen zuzugehen oder intime Nähe zu geniessen. Oft anzutreffen ist zum Beispiel die nagende innere Frage, ob sich überhaupt jemand für sie interessieren wird oder sie den ganzen Abend über alleine bleiben werden.

Da der Kuschelabend mit einer Atmosphäre von Akzeptanz und Wertschätzung sowie sorgfältig auf eine Weise angeleitet ist, dass niemand alleine bleibt, passiert es so gut wie nie, dass jemand ausgeschlossen wird. Auch andere Ängste im Bezug auf Begegnungen und Berührungen verschwinden mit dem Erleben von Zugehörigkeit und Sicherheit.

Die Körperwahrnehmung und -empfindung sowie der Tastsinn stehen beim Kuschelabend klar im Vordergrund, aber auch das Gehör und der Geruchsinn sind angeregt. Die Augen werden bewusst nicht so stark benutzt – als Gegengewicht zum oft übervisualisierten Alltag.

Die Teilnehmenden werden zu Beginn auch dazu eingeladen, den Kuschelraum als Forschungsraum zu nutzen. Viele folgen dieser Einladung und wagen ihre eigenen inneren Schwellen zu übersteigen. So schaffen sie jedesmal einen weiteren Schritt der Herausforderung und ihre neuronalen Bahnen verändern sich stetig - hin zu (noch) mehr Leichtigkeit und Freude in Begegnung und Berührung.