Kuscheln und Spiegelneurone


An den Kuschelabenden spielen die Spiegelneuronen eine wichtige Rolle. Schon beim Empfang durch ein willkommen heissendes Lächeln regen die Spiegel-neuronen entspannende Gefühle bei den TN an. Auch die warme Umarmung zur Begrüssung und die einladende, ruhige Atmosphäre tragen zur Entspannung bei. Erste Nervositäten werden schon etwas beruhigt. So geht es weiter: Die meist offenen und ehrlich ausgesprochenen Befindlichkeiten in der ersten Runde regen die Empathie für die anderen Menschen an und schaffen ein erstes Gefühl von Verbundenheit. Wenn die TN dann langsam und achtsam in erste Begegnungen und Berührungen einsteigen, sich tief in die Augen schauen und dabei genau auf ihre Grenzen achten, erweitert sich dieses Gefühl von Achtsamkeit und Verbundenheit. Es ist ein Funkenfeuer von Spiegelneuronen, die hier aktiviert werden und die TN mit meist entspannenden Gefühlen füttern.

 

Die Spiegelneurone spielen aber nicht nur in den individuellen Begegnungen eine wichtige Rolle, sondern auch in der Kuschelgemeinschaft als Ganzes:

 

Ungefähr ein Drittel der TN an jedem Kuschelabend sind Menschen, die sehr vertraut sind mit dem Ablauf, mit den Möglichkeiten und mit den Gefühlen, die entstehen können. Ein weiterer Drittel der TN waren mindestens schon einmal dabei und kennt den Ablauf ebenfalls. Diese zwei Drittel der TN bilden mit ihren gleichsam individuellen Systemen der Spiegelneuronen „… ein gemeinsames Vielfaches, eine Art Pool, in dem die Programme für alle Handlungs- und Erlebensmöglichkeiten gespeichert sind…“ (Bauer 2006, Seite 106), die an einem Kuschelabend möglich und gangbar sind. Der letzte Drittel von TN, die Neuen, treten in Resonanz mit diesem gemeinsamen Vielfachen, das – wie oben genannt – geprägt ist von absichtsloser Berührung, Achtsamkeit, Erfüllung biopsychosozialer Grundbedürfnisse sowie der Einladung zu Verbundenheit und Freiheit. Durch diese Resonanz gelangen die TN innerhalb kurzer Zeit in eine Erfahrung von Vertrauen, Sicherheit, Zugehörigkeit und tiefer Entspannung – dieses Phänomen wird auch die Kuschelenergie genannt.

 

Schrabal (2006, Seite 142) weisst darauf hin, „... dass die Entstehung der „Kuschelenergie“ möglicherweise ein Phänomen darstellt, das durch den Umschlag von Quantität in Qualität entsteht. Dieses spontane Umschlagen finden wir häufig auch in den Auswirkungen der „Kuschelenergie“ wieder. Es kann sein, dass erst einmal gar nichts zu geschehen scheint, und dann erfolgt plötzlich ein nachhaltiger Entwicklungsschub. Dies kann u. U. schon auf der ersten besuchten Kuschelparty geschehen, manchmal sind aber auch mehrere Besuche notwendig, damit sich eine deutlich spürbare Wirkung aufbauen kann.“